Katholisch? Evangelisch?
Was evangelische und katholische Kirche verbindet, was sie trennt.


Die Glaubensspaltung während der Reformation des 16. Jahrhunderts teilte die abendländische Christenheit leider in katholische und evangelische Christen. Seit einigen Jahrzehnten ist man wieder auf der Suche nach der Einheit. Dieses Bemühen nennt man Ökumenische Bewegung.

Vieles eint katholische und evangelische (lutherische) Christen:
  • der Glaube an Gott, seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist.
  • die Heilige Schrift als Wort Gottes
  • die Taufe und das "gemeinsame Priestertum" aller Getauften
  • der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden nicht aufgrund eigener Leistung, sondern allein aus Gnade
  • der Glaube, dass Gott durch den Hl. Geist unsere Herzen erneuert und uns zu guten Werken befähigt
  • der Glaube, dass Christus in der Eucharistie/im Abendmahl mit Leib und Blut wirklich gegenwärtig ist
  • das apostolische Glaubensbekenntnis, das "Große Glaubensbekenntnis" (der Konzile von Nikaia 325 und Konstantinopel 381), die Feier des Sonntags, viele Feste, Gebete, Lieder, etc.
  • der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Einheit in der Vielfalt möglich

Freilich gibt es auch viele Unterschiede. Aber nicht alles, was verschieden ist, muss die Kirchen auch trennen. Unterschiede in den Gottesdienstformen, in den theologischen Schwerpunkten und in den Kirchenordnungen (z.B. Zölibat) können auch eine gegenseitige Bereicherung sein. Die gewünschte Einheit der Christen will diese bunte Vielfalt nicht beseitigen. Das Ziel der Ökumene ist nicht eine "uniforme Superkirche", sondern die "versöhnte Verschiedenheit" der Konfessionen.

Martin Luther (1483 - 1546) - seine Reformation führt zur Bildung der Evangelischen Kirche

Martin Luther 1483 - 1546

 

Was wirklich (noch) trennt:

Neue Unterschiede:
In Fragen der Ethik (z.B. Ehe, Sexualität) entfernen sich evangelische Stellungnahmen manchmal deutlich von den tradierten Normen, die früher allen Kirchen gemeinsam waren und für die katholische Kirche noch immer bestimmend sind. Trotz inhaltlicher Unterschiede lehren alle christlichen Kirchen, dass der einzelne Mensch immer verpflichtet ist, auf sein Gewissen zu hören und danach zu handeln.

Weg der Ökumene ist unumkehrbar
"Der Weg der Ökumene, den das Zweite Vatikanische Konzil (für die katholische Kirche, Anm. d. R.) eröffnet hat, ist unumkehrbar. Er ist eine Aufgabe, die der Herr uns gestellt hat. Wir müssen daher alles uns Mögliche tun, um die Einheit der Christen in der Wahrheit und in der Liebe zu fördern." (Papst Johannes Paul II., Brief an die deutschen Kardinäle, 22. Februar 2001) 


MEIN GOTT?

Die meisten Deutschen sind entweder katholisch oder evangelisch. Ende 1994 waren es jeweils ca. 28 Millionen - zusammen ungefähr 68 Prozent der Gesamtbevölkerung - die sich offiziell zu den beiden Großkirchen bekannten. Allerdings geht nur ein Fünftel dieser Menschen in die Kirchen, was darauf schließen läßt, daß es bei uns etwa 45 Millionen Menschen gibt, die nur deswegen katholisch oder evangelisch sind, weil es ihre Eltern auch waren und weil sie zu bequem sind, auszutreten.
Katholiken ist das Fernbleiben von der Kirche allerdings vom Papst verboten:
Die Kirche verpflichtet die Gläubigen, an den Sonn- und Feiertagen der Göttlichen Liturgie beizuwohnen.

Würde man die “Zwangseinweisung”, die traditionelle Taufe im Säuglingsalter bei der katholischen Kirche abschaffen und dem Vorbild Jesu folgen, der sich erst als Erwachsener taufen ließ (die sogenannte Gläubigentaufe, bei der der Täufling frei entscheidet daß er zur Religionsgemeinschaft gehören will), dann könnten die Katholiken wahrscheinlich binnen zwei Generationen ihre Kirchen dicht machen.

Der größte Unterschied zwischen Katholiken und den anderen christlichen Kirchen besteht darin, daß für die Katholiken nicht nur das Wort Gottes - die Bibel - heilig und wahr ist, sondern auch traditionelle Überlieferungen, die nicht in der Bibel stehen. Zum “Dogma” erhoben, müssen diese von den Katholiken offiziell geglaubt werden. Der Papst stellt fest: Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. So ergibt sich, daß die Kirche, der die Weitergabe und Auslegung der Offenbarung anvertraut ist, ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift alleine schöpft.

Evangelisch - oder noch Schlimmeres - zu sein ist ziemlich gefährlich, falls man der katholischen Kirche glaubt: Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die sehr wohl wissen, daß die katholische Kirche von Gott durch Jesus Christus als eine notwendige gegründet wurde, jedoch nicht in sie eintreten oder in ihr ausharren wollten.

Erfunden wurde die evangelische Kirche vom Katholiken Martin Luther im 16. Jahrhundert, der etwas gegen die weitverbreitete Praxis hatte, sich mittels Geldzahlungen an die Kirche von seinen Sünden freikaufen zu können. Dies brachte Luther zwar den Bann des Papstes ein, aber viele Menschen zeigten Interesse an einer kostenlosen Sündenvergebung, was zu einer großen Reformationsbewegung führte, die schließlich 1948 zur Gründung der “Vereinten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands” führte.

Die evangelische Kirche erscheint dem aufgeklärten Menschen von heute etwas weniger verbohrt als die katholische, obwohl man auch als Evangele daran glauben muß, daß Gott “ein Wesen in drei Personen” ist.

Bei den Evangelen dürfen nicht nur Pfarrer heiraten, nein sogar Frauen dürfen Priesterinnen werden, was bei den Katholen undenkbar wäre: Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann. Jesus, der Herr, hat Männer gewählt, um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden, und die Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten, die ihnen in ihrer Aufgabe nachfolgen sollten. Die Kirche weiß sich durch diese Wahl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu weihen.

Der Papst widerspricht sich mit dieser Erklärung allerdings selber, denn an anderer Stelle des Katechismus heißt es: Jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts oder der Rasse ... muß überwunden und beseitigt werden, da sie dem Plan Gottes widerspricht.
Vielleicht erleben wir noch den Tag, an dem eine schwarze Frau Papst wird.

Katholische Pfarrer haben glücklicherweise ihre Haushälterinnen, die für sie kochen, abwaschen und bügeln, wenn auch manchmal berichtet wird, die Beziehung zwischen Pfarrer und Haushälterin wäre inniger als vorgesehen. So war in einem angesehenen deutschen Nachrichtenmagazin zu lesen, daß einer der größten Haushaltsposten der katholischen Kirche die Zahlung von Alimenten für ihre Priester sei. Ob dieser Bericht zutreffend war, sei dahingestellt, aber es ist kein Wunder, wenn der Papst von Journalisten wesentlich mehr fordert als nur korrekte Berichterstattung: Schon aufgrund ihrer Berufsaufgabe im Pressewesen haben Journalisten die Verpflichtung, bei der Verbreitung von Informationen der Wahrheit zu dienen und das Liebesgebot nicht zu verletzen.

Die Katholiken sind von oben nach unten strukturiert, sie bekommen ihren Priester vorgesetzt, während es bei den Evangelen etwas demokratischer zugeht: Die Gemeinde wählt ein Gremium, dieses wählt den Pfarrer, der dann allerdings etwas Wahlwerbung für sich betreiben muß.

Glaubenstechnisch besteht ein sehr großer Unterschied darin, daß die Katholiken allen Ernstes zu glauben haben, bei der Wandlung würden aus Rotwein und Oblaten Blut und Fleisch Jesu Christi: In der Eucharistiefeier werden Brot und Wein durch die Worte Christi und die Anrufung des Heiligen Geistes zu Leib und Blut Christi gewandelt. Die Kirchenväter betonen entschieden den Glauben der Kirche, daß das Wort Christi und das Walten des Heiligen Geistes so wirkkräftig sind, daß sie diese Verwandlung zu bewirken vermögen.
Wie genau das passiert, ist nicht zu erfahren. Du fragst, wie das Brot Leib Christi und der Wein Blut Christi wird. Der Heilige Geist kommt hinzu und wirkt, was jedes Wort und jeden Gedanken übersteigt.

Warum eine katholische Oblate auch nach der Wandlung trotz eindringlichem Geläute nicht im entferntesten nach Fleisch schmeckt, hat der Papst noch nicht erklärt. Und warum der Pfarrer diesen in Blut verwandelten Wein auch noch trinkt, bleibt dem wahren Bibelkenner ein Rätsel. Dort wird wiederholt von Gott ausdrücklich verboten, Blut zu trinken oder bluthaltiges Fleisch zu essen.

Und vor allem: Für Menschen, die - so wie die katholischen Priester es scheinbar tun - Fleisch oder Blut eines anderen aufessen gibt es nur eine Bezeichnung: Kannibalen.

Die Evangelen gehen dieses Wunder etwas gelassener an, sie betrachten beides nur als Symbole, die Oblate bleibt eine solche, der Wein bleibt Wein. Außerdem dürfen alle Kirchenbesucher die wollen, Wein trinken, was bei Katholiken dem Priester vorbehalten bleibt. Der Pastor wischt nach jeweils vier Trinkern den Kelch ab, damit es einigermaßen hygienisch bleibt. Auf Wunsch erhalten evangelische Abstinenzler oder Alkoholiker auf Entzugskur statt Wein auch Traubensaft.

Hat ein Katholik Sünden begangen, so muß er diese zuerst seinem Pfarrer aufsagen, da nur dieser eine direkte Beziehung mit Gott hat. Der Priester bestraft ihn dann im Auftrage Jahwes mit soundsoviel Vaterunsern. Ein Evangele dagegen kann alleine zuhause mit Gott sprechen und seine Sünden bereuen, eine Beichte beim Pfarrer gibt es nicht.

Katholische Kirchen sind meist mit vergoldetem Prunk vollgestopft, während die Evangelen eher etwas spärlich zur Sache gehen. In manchen ihrer Kirchen findet sich noch nicht mal ein Kreuz.

Eine evangelische Frau kann bedenkenlos die Pille nehmen, während für einen katholischen Mann sogar ein Kondom verboten ist, auch wenn er es nur als Aids-Schutz benützen will.

Katholiken haben einen ungleich größeren Anti-Sex-Koller als die Evangelen, jeglicher Sex, der nicht der Fortpflanzung dient ist verboten, angeblich, weil es gegen Gottes Willen ist, das Fleisch nur zum Ziel der Lust zu benutzen. Wenn man sich streng an diese Argumentation hält, müßte man allerdings auch sämtliche Kaugummikauer zu Sündern erklären, da Gott unsere Verdauungsorgane geschaffen hat, um der Ernährung zu dienen und Kaugummikauer diese Körperfunktion zu ihrem puren Vergnügen mißbrauchen.

Sex vor der Ehe ist dem Katholiken grundsätzlich verboten, auch wenn er schon verlobt ist: Unzucht ist die körperliche Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die nicht miteinander verheiratet sind. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichen Geschlechtlichkeit selbst. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorben werden. Der Geschlechtsakt darf ausschließlich in der Ehe stattfinden; außerhalb der Ehe ist er stets eine schwere Sünde und schließt vom Empfang der Heiligen Kommunion aus. Manche, die zu heiraten beabsichtigen, beanspruchen heute eine Art Versuchsrecht. Die menschliche Liebe läßt den bloßen Versuch nicht zu. Sie verlangt eine endgültige und ganze gegenseitige Hingabe der beiden Partner. Die leibliche Vereinigung ist nur dann moralisch zu rechtfertigen, wenn zwischen dem Mann und der Frau eine endgültige Lebensgemeinschaft gegründet worden ist.

Also: Erst heiraten und dann zusammen ins Bett gehen, aber dabei aufpassen, daß man nicht zu sehr stöhnt und in Ekstase verfällt, denn: Die Geschlechtlichkeit ist eine Quelle der Freude und Lust. Der Schöpfer selbst hat es so eingerichtet, daß die Gatten bei dieser Zeugungsfunktion Lust und Befriedigung des Leibes und des Geistes erleben ... Doch sollen die Gatten sich innerhalb der Grenzen einer angebrachten Mäßigung zu halten wissen.
Woher die Verfasser des Katechismus wissen, daß Sex eine Quelle der Freude und Lust ist, sei dahingestellt.

Katholische Ehepaare, die sich dringend ein Kind wünschen aber keins bekommen können, dürfen im Gegensatz zu Evangelen keineswegs auf die Errungenschaften der modernen Medizin zurückgreifen: Techniken, die durch das Einschalten einer dritten Person (Ei- oder Samenspende, Leihmutterschaft) die Gemeinsamkeit der Elternschaft auflösen, sind äußerst verwerflich. Werden diese Techniken innerhalb des Ehepaares angewendet (homologe künstliche Insemination und Befruchtung), sind sie vielleicht weniger verwerflich, bleiben aber dennoch moralisch unannehmbar.

Jugendliche arbeitslose Hausbesetzer, die im Supermarkt auch gerne mal eine Tube Sardellenpaste mitgehen lassen, sollten unbedingt katholisch werden: Kein Diebstahl ist es ... wenn in offensichtlicher Notlage die Aneignung und der Gebrauch fremden Gutes das einzige Mittel ist, um unmittelbare Grundbedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft und Kleidung zu befriedigen, schreibt der Papst.

Gut die Hälfte der Evangelen dürfen das Alte Testament für eine Art Sage halten und nehmen es nicht sehr ernst, bleiben also von vielen peinlichen Bibelstellen verschont, während dies für Katholiken undenkbar ist. Der Papst schreibt: Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes. Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe, wies die Kirche stets entschieden zurück.

Was manchem Kirchenbesucher in der Praxis als der größte Vorteil erscheinen mag: Evangelische Pfarrer singen strategisch weniger als ihre katholischen Kollegen, die ihre Gemeinde während der Messe mit oft hochgradig peinlichen musikalischen Vorträgen beglücken. Würde Jahwe heute wiederkommen und eine seiner katholischen Messen besuchen, so würde er wohl umgehend ein neues Gebot in die Bibel schreiben lassen: “Wer des Gesanges nicht mächtig ist, soll sich diesem nur alleine zuhause befleißigen.”


Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger